13.07.2025
Lesezeit: 6 Minuten
Als ich mein erstes Unternehmen gründete, verlangte die Bank einen detaillierten Businessplan. Fast 80 Seiten, die mein Vorhaben für die nächsten fünf Jahre präzise beschrieben. Obwohl mir damals schon klar war, dass die Realität sich anders entfalten würde, lag schon im Akt der Planung eine enorme Kraft: die Auseinandersetzung mit den wichtigen Fragen, das konsequente Durchdenken von Prozessen und das Antizipieren potenzieller Fallstricke.
Auf dem Rückweg von der Bank ließ mich ein Gedanke nicht mehr los: Es ist etablierte Praxis, einen detaillierten Plan für unsere Unternehmen zu erstellen. Aber wie sieht der Businessplan für unsere Gesundheit aus? Wie würden wir nachhaltige High-Performance Health planen, sie benchmarken? Was wären unsere KPIs und wo lägen die Risiken?
In den letzten Jahren habe ich für mich, mithilfe verschiedener Mentoren und auf Basis hunderter Studien, ein Framework für genau diese Fragen erarbeitet.
Mein Gedankenprozess auf diesem Weg war der folgende:
Das Ziel ist, eine bestmögliche Gesundheit über einen möglichst langen Zeitraum zu ermöglichen. Dabei definiere ich qualitative Lebenszeit als die Zeit, in der wir über der 50%-Linie unserer Gesundheitsspanne liegen – die 50 % sind an dieser Stelle ein willkürlich gewählter Wert.
Unterhalb dieser 50%-Schwelle, in einem Zustand körperlicher Gebrechen und Krankheit, wird zusätzliche Lebenszeit schnell wertlos. Es geht also nicht einfach nur darum, mehr Lebenszeit zu generieren. Es geht vor allem darum, der Zeit mehr Lebendigkeit zu geben.
Durch die grafische Darstellung ist es sehr leicht zu verstehen, dass in der Jugend die maximale Gesundheit am größten ist und dann mit dem Alter abnimmt. Je höher die Gesundheit, desto besser die Lebensqualität.
In einem „Perfekte-Welt-Szenario“ hätten wir bis zum Moment unseres Todes im hohen Alter eine Vitalität von 100 % und würden dann ohne körperlichen Verfall und Krankheit einfach umfallen. Dies ist zwar nicht möglich, aber unser Ziel ist es, den Abfall der Vitalität im Alter so weit es geht hinauszuzögern und dabei die Lebensspanne so zu verlängern, dass die Zeit unter der 50%-Linie der Vitalität so kurz wie möglich ist.
Vitalität ist für sich allein wertvoll, wohingegen mehr Lebenszeit ohne Vitalität wertlos ist. Deshalb fokussieren wir uns in unserem Vorgehen zuerst darauf, Gesundheit und Vitalität in jedem Alter zu maximieren. Der entscheidende Vorteil ist: Die Dinge, die unsere Vitalität nachhaltig verbessern, tragen zu einem großen Teil auch dazu bei, länger zu leben.
Sie beschreibt die Fähigkeit, sich schmerzfrei zu bewegen, die Fitness für Aktivitäten zu haben, die Freiheit und Freude bringen, und frei von chronischen Erkrankungen zu sein. Dazu gehören Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit, ein gesundes Immunsystem und ein funktionierender Stoffwechsel, dessen Zustand sich über spezifische Blutwerte messen lässt.
Zu den wichtigsten KPIs in diesem Bereich gehören beispielsweise:
Stoffwechselerkrankungen beschreiben eine Sammlung von Zuständen, die allesamt mit einer Störung des Energiestoffwechsels einhergehen. In meinem Framework liegen diese Erkrankungen auf einem Spektrum, das bei Insulinresistenz beginnt, über Hyperinsulinämie bis hin zu Typ-2-Diabetes, Metabolischem Syndrom und der nichtalkoholischen Fettleber reicht.
Während nur wenige Menschen tatsächlich an Diabetes sterben, sterben die meisten mit einer Stoffwechselerkrankung. Der Grund, warum dieses Spektrum hier an erster Stelle steht, ist, dass es auf die eindeutigste Weise den Boden für die anderen großen chronischen Erkrankungen bereitet.
Stoffwechselerkrankungen sind der gemeinsame Nenner, der die anderen drei chronischen Krankheiten begünstigt und verschlimmert:
Deshalb ist es unser oberstes Ziel, den Stoffwechsel so gesund und tadellos wie möglich zu halten. Unsere wichtigsten KPIs sind hier die Blutzuckerwerte. Während heute der HbA1c-Wert zur Diagnose von Diabetes genutzt wird, bevorzuge ich eine präzisere Diagnostik, entweder über mein abgewandeltes Protokoll mit dem oralen Glukosetoleranztest (OGTT) oder einer dauerhaften Blutzuckermessung (CGM) über mindestens 14 Tage. Der OGTT ist dem HbA1c in der Diagnostik überlegen und kann Störungen bereits 5 bis 10 Jahre anzeigen, bevor sie im HbA1c auffällig werden. Der CGM ist noch sensibler und zeigt Auffälligkeiten wiederum einige Jahre vor dem OGTT.
Herz-Kreislauf-Erkrankungen beschreiben die chronischen Leiden des Herz- und Gefäßsystems, die durch Atherosklerose geprägt sind. Atherosklerose bedeutet wörtlich so etwas wie „fester Brei“ und beschreibt die entzündlichen Ablagerungen von Cholesterin und anderen Fetten in der inneren Wandschicht arterieller Blutgefäße. Diese Schädigung ist einer der wichtigsten Faktoren, der zum tödlichen Verlauf von Herzinfarkten oder Schlaganfällen beiträgt.
Die atherosklerotische Schädigung der Gefäße ist nach heutigem Stand irreversibel. Geschädigte Adern lassen sich nicht wieder „reinigen“ oder heilen. Die Entwicklung dieser Erkrankung beginnt dabei häufig schon in den Teenagerjahren oder frühen Zwanzigern und schreitet über Jahrzehnte fort.
Nach unserem heutigen Verständnis benötigt es für die Entstehung atherosklerotischer Erkrankungen folgende Elemente:
Zu den wichtigsten Parametern zur Beurteilung des Risikos zählen:
Das Tolle an Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist: Wir haben über die letzten Jahre ein extrem gutes Verständnis der zugrundeliegenden Mechanismen erlangt. Wir wissen genau, was die Krankheit beschleunigt und was sie verlangsamt. Wir wissen, was wir messen müssen, und wir haben ein extrem wirkungsvolles Toolkit an Lifestyle-Interventionen, Supplements und Medikamenten, um den Fortschritt fast vollständig zu stoppen.
So klar unser Bild über Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist, so komplex und herausfordernd bleibt die Situation bei Krebs. Trotz enormer Forschungsinvestitionen und revolutionärer Fortschritte bei einzelnen Krebsarten in den letzten 50 Jahren, stellt metastasierender Krebs weiterhin eine der größten medizinischen Herausforderungen unserer Zeit dar.
Krebs ist im Mechanismus sowohl eine genetische als auch eine Stoffwechselerkrankung. Krebszellen haben per Definition die Eigenschaft, sich unkontrolliert zu teilen und nicht mehr auf die Signale normaler Zellzyklen zu reagieren. Hier spielt auch das Immunsystem eine entscheidende Rolle. Unsere Immunzellen können im Normalfall entartete Zellen eliminieren. Wenn sich also ein manifester Tumor bildet, hat das Immunsystem diesen Kampf an einem bestimmten Punkt verloren.
Nach dem Rauchen ist Übergewicht der zweitstärkste Prädiktor, den wir für Krebs haben. Es ist naheliegend, dass dies weniger mit dem tatsächlichen Gewicht als vielmehr mit dem zugrundeliegenden Stoffwechselmilieu zu tun hat.
Die Wissenschaft ist sich heute sehr sicher, dass die Entstehung von Krebs durch folgende Faktoren beeinflusst wird:
Während wir Giftstoffe, so gut es geht, reduzieren können, ist die Optimierung des Stoffwechsels in meinem Framework das wichtigste Element zur Prävention.
Wie es der Name schon sagt, geht es hier um Erkrankungen der neurologischen Degeneration – Krankheiten, die unsere geistigen Fähigkeiten reduzieren und uns über kurz oder lang dessen berauben, was uns ausmacht: unserer Erinnerungen, unseres Charakters und unserer Emotionen. Dazu gehören die verschiedenen Formen der Demenz, allen voran Alzheimer, ebenso wie Parkinson.
Auch wenn die Forschung hier Fortschritte macht, ist vieles über die Entstehung dieser Erkrankungen noch unklar. Dennoch deuten die Daten sehr eindeutig darauf hin, dass es Dinge gibt, die wir tun können, um das Risiko zu senken.
Neben genetischen Faktoren spielen vor allem Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen eine übergeordnete Rolle. Wenn wir uns spezifisch Alzheimer anschauen, gibt es fünf Faktoren, bei denen wir uns recht sicher sind, dass sie mit der Erkrankung im Zusammenhang stehen:
Unsere wichtigsten KPIs hier sind die bereits genannten für Herz-Kreislauf- und Stoffwechsel-Gesundheit. Auch wenn Gene wie APOE4 eine Rolle spielen, sind sie keine deterministischen Todesurteile. Sie erhöhen das Risiko, aber sie garantieren nicht die Erkrankung. Die Maßnahmen der Prävention wären bei einer solchen Veranlagung zwar aggressiver, im Kern aber dieselben.
Zur Prävention neurodegenerativer Erkrankungen empfiehlt sich der Merksatz: „Was gut für das Herz und den Stoffwechsel ist, ist auch gut für das Gehirn.“
Der körperliche und kognitive altersbedingte Abfall sind nach heutigem Stand unvermeidbar. Aber wir können sowohl die Ausgangslage des Abfalls als auch dessen Geschwindigkeit fundamental beeinflussen. Die Grundannahme unseres Handelns ist also, dass wir unsere Lebensqualität aktiv mitbestimmen können. Wir können gestalten, wie wir altern.
Anstatt nur auf Krankheiten zu reagieren, setzt dieses Framework auf proaktives Handeln: frühzeitige Intervention und das Verstehen individueller Risikofaktoren, lange bevor sie zu Krankheiten führen.
Stellen Dir vor, Du könntest Dein persönliches Risiko für die „großen Vier“ auf Basis Deiner Genetik, Familiengeschichte und Biomarker kennen – und gezielt Maßnahmen ergreifen, um diese Risiken schon Jahrzehnte vor den ersten Symptomen zu reduzieren. Statt auf Krankheiten zu warten, übernimmst Du aktiv die Kontrolle. Das ist der Ansatz meines Frameworks und meiner Arbeit.
Dieses Framework gibt Dir die strategische Klarheit, die in anderen Lebensbereichen für Dich selbstverständlich ist. Es verwandelt das vage Ziel „gesund zu leben“ in einen messbaren, umsetzbaren und persönlichen Plan.
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